Bau eines Bohrtisches für den Wabeco Bohrständer

wpid-bohrtisch_027.jpg In meiner noch recht jungen Werkstatt wurde bald klar, dass ich eine Möglichkeit brauche, exakt rechtwinklige Löcher zu bohren. Ich habe daher überlegt, ob ich mir eine Tischbohrmaschine oder eine Handbohrmaschine mit Bohrständer anschaffen sollte. Nch ein paar Monaten Bedenkzeit und einiger Recherche im Netz habe ich mich nun für einen Wabeco-Bohrständer (75 cm Säule, 50 cm Ausleger) mit einer guten Bosch-Bohrmaschine entschieden.

Bei der Bohrmaschine gefällt mir, dass der vordere Teil einschließlich des Bohrfutters und des Halses aus Metall sind, so dass ich keine Bedenken habe, die Maschine fest in die Manschette des Bohrständers einzuspannen. Außerdem arrettiert das Bohrfutter automatisch, wenn man daran dreht, so dass der Bohrerwechsel sehr leicht vonstatten geht. Die Maschine hat eine Drehzahlvorwahl und natürlich einen Schalter für den Dauerbetrieb.

Um mein Setup für die Arbeit mit Holz zu optimieren, habe ich mir einen Bohrtisch dazu gebaut.

Ideenfindung

Ernst: Horizontal Bohren

Bei meiner Frage nach Tischbohrmaschine oder Bohrständer hat letztlich ein Beitrag von Ernst den Ausschlag in Richtung Bohrständer gegeben. Zuvor hatte ich nicht an die Möglichkeit gedacht, mit dem Ständer auch horizontal und damit auch lange Werkstücke in die Stirnseite bohren zu können. Diese Möglichkeit ist meines Erachtens ein großer Vorteil und macht die Bohrständerlösung deutlich flexibler als eine Tischbohrmaschine.

Holzwurm Tom: Bohrtisch

Was den Bohrtisch angeht, stammt meine hauptsächliche Inspiration von Holzwurm Tom, ich habe aber seine Version nach Ideen auf der Website von feinewerkzeuge.de noch etwas abgewandelt (Beispielbilder bei den doppelten Incra T-Nutschienen).

Meine Umsetzung

Ich wollte einen Bohrtisch bauen, der ausreichend groß ist, um eine gute Auflagefläche zu bieten. Den Anschlag sollte man leicht und exakt verstellen können und außerdem sollte es möglich sein, das Werkstück am Tisch zu befestigen. Ich habe mich daher entschieden, zwei Incra T-Nutschienen mit Maßband in den Tisch einzulassen. Diese dienen als Laufschienen für den Anschlag und zur Befestigung des Werkstücks. Die eingelassenen Maßbänder können für dessen Einstellung verwendet werden. Außerdem wollte ich möglichst mit bereits vorhandenen Plattenresten arbeiten.

Beim Ausverkauf meines Holzhändlers hatte ich verschiedene Reststücke von Platten günstig eingekauft und habe den Bohrständer aus einem Stück 13 mm Fichte-Leimholzplatte und einem Stück Buche-Multiplex gebaut. Die Multiplexplatte dient als stabiler und verwindungssteifer Träger, die Leimholzplatte hat gerade die passende Stärke, um die Incra-Schienen knapp zu überragen, so dass ich für diese keine Nuten fräsen musste. Natürlich wäre es schöner gewesen, das harte und schöne Buchenmaterial als Oberfläche zu haben, aber mit der jetzigen Konstruktion habe ich mir Arbeit beim Fräsen gespart und außerdem kein neues Holz kaufen müssen.

Grundplatte

Der erste Schritt war der Zuschnitt der einzelnen Plattenstücke mit der Tauchsäge und das Aufleimen der ersten beiden »Deckschichten« der Dreischichtplatte.

Zuschnitt mit der Tauchsäge

Verleimen der ersten Platten

Anschließend sägte ich die T-Nutschienen auf die passende Länge, weil ich sie als Abstandshalter brauchte, um das passende Maß für das Plattenstück in der Mitte des Tischs zu ermitteln. Hier leistete der Moxon Vise mal wieder gute Dienste.

Ablängen der Schienen

Nach dem Trocknen sägte ich zwei weitere Stücke der Leimholz-Deckplatte passend zu und verleimte sie mit der Trägerplatte. Die noch verbleibende Lücke soll später das Opferholz aufnehmen.

Verleimen

Anschlag

Während bei der Grundplatte der Leim trocknete, arbeitete ich am Bohraschlag. Diesen wollte ich mit Dübeln konstruieren, um so gleich mal den neuen Bohrständer und das saubere Bohren damit auszuprobieren.

Anschlagbretter

Anreißen

Um den Anschlag später möglichst weit nach hinten schieben zu können, habe ich noch einen Ausschnitt für die Säule des Bohrständers mit der Stichsäge ausgesägt. Auch hier war ich wieder froh, die Befestigungsmöglichkeiten des Moxon Vise zu haben.

Ausschnitt der Aussparung

Nun ging es ans Bohren der Dübellöcher. Da ich ja noch keinen Anschlag hatte, habe ich die Löcher angezeichnet und mit dem Vorstecher markiert. Leider habe ich bisher auch nur Universal-HSS-Bohrer und keine Holzbohrer mit Zentrierspitze. Beides in Kombination sollte sich später als problematisch erweisen.

Bohren der Dübellöcher

Beim Bohren benutzte ich den Tiefenanschlag des Bohrständers und dachte, dass das gut funktionierte. Ich testete die Tiefe der Dübellöcher, allerdings nur an einem der beiden Anschlaghölzer. Nachdem dann alles gebohrt war, wurde ich wohl etwas übereifrig, denn ich ging gleich an den Leimauftrag und steckte die Dübel ein.

Verleimen

MööpBeim Zusammenspannen stellte sich dann heraus, dass ich wohl bei der Bohrtiefe einen Fehler gemacht hatte, denn die Löcher waren nicht tief genug. Mit aufgetragenem Leim musste also eine schnelle Lösung her: Ich sägte die Dübel etwas kürzer, so dass sie formschlüssig in die Löcher passten.

Kürzen der Dübel

Beim Verleimen achtete ich besonders auf die Rechtwinkligkeit der beiden Hölzer zueinander.

Winkelprüfung

MööpWenn auch der Winkel passte, merkte ich nach dem Öffnen der Zwingen, dass meine Dübellöcher offensichtlich ziemlich ungenau gewesen waren. Das Bohren ohne Anschlag und ohne Zentrierspitze hat wohl für ordentlich Versatz gesorgt, so dass das senkrechte Brett des Anschlags auf einer Seite deutlich über die Kante des waagrechten überstand.

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Ich behob das Problem (handwerklich nicht schön, aber am Ende funktionell) mit dem Bündigfräser der Oberfräse.

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Als nächstes zeichnete ich die Löcher für die Führrungsschrauben mit Hilfe der eingelegten Schienen an.

Anreißen der Löcher

Zusammenbau

Nun waren Grundplatte und Anschlag soweit, dass ich daran gehen konnte, die einzelnen Teile miteinander zu verbinden. Die Grundplatte sollte mit Sechskantschrauben M10 am Bohrtisch befestigt werden. Um die Position der Bohrlöcher zu ermitteln, drehte ich den Borhständer um und legte ihn von unten auf die Grundplatte. So konnte ich die Löcher anzeichnen.

Anreißen der Löcher

Nun bohrte ich die Löcher und in das bereits aufgeleimte Stück Dreischichtplatte außerdem noch zwei 25 mm Sacklöcher, um die von oben aufgeschraubte M10-Muttern aufzunehmen.

Bohren

Anschließend verschraubte ich Grundplatte und Bohrständer und war zufrieden, dass beide plan aufeinander aufliegen.

Verschrauben der Teile

Liegt plan auf

Von oben sieht das Ganze nun schon nach einem Bohrtisch aus.

Elemente miteinander verbunden

Als nächstes montierte ich die T-Nutschienen und bohrte die 25 mm-Löcher für die Muttern in die Opferhölzer, von denen ich mir einige auf Vorrat gemacht hatte.

Montage der Schienen

Opferhölzer

MööpBeim Aufsetzen des Anschlags gab es die nächste unschöne Überraschung. Anscheinend hatte ich die Aussparung für die Bohrsäule nicht korrekt angezeichnet, so dass die nun asymmetrisch zur Säule ist. Die Funktion beeinträchtigt das nicht, sieht aber nicht schön aus.

Aussparung im Anschlag

Nach dem Einlegen des Opferholzes ist der Tisch in der Grundversion fertig.

Fertig

Fertig

Justieren der Skalen auf den T-Nutschienen

Ich hatte mich für die doppelten T-Nutschienen mit metrischer Skala entschieden, weil ich eine Möglichkeit wollte, den Anschlag ohne großen Aufwand rechtwinklig zum Ausleger des Bohrtischs auszurichten. Leider hat der Wabeco-Ständer für die Bohrsäule keine Arretierung in der rechtwinkligen Position. Daher habe ich den Ausleger mit Hilfe eines Schreinerwinkels zunächst rechtwinklig zur Metallgrundplatte des Bohrständers eingestellt und die Bohrsäule so festgeschraubt.

Um die Skalen zu eichen, habe auf einem Plattenreststück an zwei Enden sehr exakt eine Markierung im gleichen Abstand zum Rand gemacht und einen sehr dünnen Bohrer in die Bohrmaschine eingespannt. Nun habe ich den Anschlag so eingestellt, dass der Bohrer an beiden Enden des Plattenstücks exakt auf der Markierung ausgerichtet war. In dieser Position habe ich die Skalen so verschoben, dass beide den gleichen Zahlenwert zeigen. Wenn ich den Anschlag nun rechts und links auf den gleichen Wert einstelle, sollten die Bohrungen parallel zur Kante des Werkstücks werden.

Eichen der Skalen

Eichen der Skalen

Eichen der Skalen

Die Skalen habe ich an der Vorderseites des Tischs in den Schienen etwas zurückstehen lassen, damit man sie nicht so leicht versehentlich verschiebt.

Skalen am Bohrtisch

Werkstückniederhalter und Saugrohrhalterung

Nun wollte ich noch die Befestigungsmöglichkeiten für Werkstücke verbessern. In der Grundversion kann man einfach eine kleine Schraubzwinge, wie sie z.B. bei der Führrungsschiene der Tauchsäge verwendet wird, in die T-Nutschiene einsetzen, um so ein Werkstück zu befestigen.

Schraubzwinge zur Befestigung

Die Zwinge kann aber natürlich nur parallel zur Schiene verwendet werden. Daher hatte ich – angeregt von einem Niederhalter von Incra (der Build-It Clamp) – die Idee, aus MDF-Resten und den Sterngriff-Schrauben, die ich noch aus dem Incra-Set hatte, flexiblere Niederhalter zu bauen.

Niederhalter aus MDF

Niederhalter aus MDF

Die funktinieren sehr gut, die MDF-Platte ist etwas elastisch und weich genug, um das Werkstück nicht zu beschädigen. Man kann den Anpressdruck der Schrauben sehr fein regulieren, so dass das Werkstück gut hält.

Außerdem habe ich noch eine Halterung für den Schlauch des Saugers ergänzt, um die Späneabsaugung zu optimieren.

Saugerhalterung

Fazit

Ich bin mit dem Ergebnis recht zufrieden, allerdings gab es bei diesem Projekt einige »MÖÖP-Momente«. Ich hatte wenig Zeit und beruflich viel zu tun, so dass ich manche Schritte nicht so gründlich durchdacht habe und bei mancher Umsetzung nicht so konzentriert war, wie es nötig gewesen wäre. Der Bohrtisch funktioniert trotzdem, ich will aber weiter an mir arbeiten, Gründlichkeit und Exaktheit nicht so oft dem »Ich-mach-das-halt-jetzt-so« zu opfern.

18 Kommentare

  1. Hallo Andi,
    gefällt mir Dein Bohrtisch. Auch wenn einige Mööp-Momente dabei waren. Passiert mir aber auch hin und wieder mal. So lange man es ausbügeln kann… Hauptsache, hinterher ist man selbst (!) mit dem Gesamtergebnis zufrieden. Finde es auch gut gelöst mit der doppellagigen Platte, eine einfache Möglichkeit die Schienen und Opferbrett dazwischen zu legen ohne ausfräsen zu müssen!
    Eine Frage habe ich noch. Kann man das Maßband in den Schienen hin und her bewegen um es zu justieren? Wie wird es fixiert?

    Viele Grüße
    Thomas (HolzwurmTom)

    1. Hallo Tom,

      Kann man das Maßband in den Schienen hin und her bewegen um es zu justieren? Wie wird es fixiert?

      Das Maßband ist aus einem recht festen Kunststoff (»Lexan«) und steht in der Schiene etwas unter Spannung. Das ist ziemlich exakt so bemessen, dass man mit einer Spitzzange oder auch einem leicht angefeuchteten Finger das Band hin- und herschieben kann, dass es aber ziemlich sicher an einer Stelle bleibt, sobald man nicht mehr zieht oder drückt. Hier ein Querschnitt.

      Ich würde aber sagen, dass es nur für stationäre Vorrichtungen geeignet ist, die waagrecht bleiben. Bei Bewegung oder senkrechter Lagerung könnte es sich u.U. mit der Zeit verschieben.

      Beste Grüße,
      Andreas

  2. Toller Bohrtisch für den Wabeco-Ständer. Wenn die laufenden Projekte fertig sind muss ich sowas auch in Angriff nehmen.
    Zu den Skalen eine Bemerkung: Ich habe diese in einer Vorrichtung für den Frästisch verbaut und musste leider feststellen, dass diese doch ein wenig wandern. Plötzlich stimmt dann das Maß nicht mehr. Meine Abhilfe: Nach dem Ausrichten ein Tropfen dünnflüssiger Sekundenkleber auf die Enden geben. Dann verschiebt sich nix mehr.

    1. Zu den Skalen eine Bemerkung: Ich habe diese in einer Vorrichtung für den Frästisch verbaut und musste leider feststellen, dass diese doch ein wenig wandern. Plötzlich stimmt dann das Maß nicht mehr. Meine Abhilfe: Nach dem Ausrichten ein Tropfen dünnflüssiger Sekundenkleber auf die Enden geben. Dann verschiebt sich nix mehr.

      Danke für den Hinweis. Das ist eine gute Idee, die ich gleich anwenden werde!

  3. Hallo,

    ein schöner Bohrtisch, wie anfangs angemerkt wäre die Möglichkeit auch horizontal in lange Werkstücke zu bohren sehr verlockend. Ich habe mir vor Jahren einen Einfachen Bohrtisch gebaut, der aus zwei Platten , die im rechten Winkel zueinander verschraubt sind gebaut. Der Bohrständer ist durch ein Loch in der einen Platte von unten montiert.
    Dadurch dass dieser Winkel nicht fest montiert ist und die Aufnahme für die Bohrmaschine drehbar ist, kann ich den Winkel vom Gestell (gebaut als Regal) abnehmen und um 90° gedreht auf dem Werktisch befestigen. Dann wird die Halterung der Bohrmaschine gedreht, so dass ich nun horizontal bohren kann.
    Da ich aber Dübelbohrungen in die Hirnholzkanten von Rahmenfriesen meist mit der Oberfräse mache, benötige ich diese Option nicht sehr oft. Auch benötige ich den Bohrtisch nicht sehr oft, da ich für viele wiederkehrende Bohraufgaben Schablonen gebaut habe (Schrankverbinder, Bohrungen für Topfbänder). Da meine Werkstatt auch zu klein ist (welche nicht ;-), gehe ich lieber mit dem Werkzeug zum Werkstück wenn es ums Bohren geht.

    Viele Grüße und immer gut Holz

    Clemens

  4. Hallo
    Ich bin im Begriff ebenfalls einen bohrtisch für meinen Wabeco-Ständer zu bauen.
    Ich würde gerne von dir wissen wie hoch die gesamthöhe des anschlages ist?
    Dank dir für die Info.
    Grüße
    Frederik.

  5. Hallo Andreas Kalt,

    ich habe mir Deinen Blog und auch den von „Holzwurm Tom“ angeschaut. HWT verwendet eine Platte 55cm x 40 cm. Wie ist das bei Ihnen?

    Ein paar lose Gedanken:

    Bzgl. des Parallelanschlags frage ich mich, ob ich nicht ein Aluminium-Profil verwenden sollte. Ggf. kann man ja auf die „Butterseite“ Holz aufschrauben oder -kleben.

    Die Idee mit den Incra T-Nutschienen ist ziemlich gut, die sind ja auch gar nicht so teuer.

    Wenn die Basis-Platte dick genug ist, müsste man eigentlich die M10-Schrauben auch in der Basisplatte versenken können, anstelle der Extra-Löcher in den Opfer-Brettchen.

    Plattenware mit 13 mm Stärke scheint kein gängiges Plattenmaß zu sein. Allerdings kann man man die Incra-Schienen ja noch etwas unterfüttern (um sich nach wie vor um großflächiges Ausfräsen zu drücken).

    Danke für den Blog und die Anregungen da drin!

    Viele Grüße,

    Claus Heine

    1. Hallo Claus,
      mein Tisch hat die Maße 40 x 60.

      Der Anschlag aus Multiplex ist bisher stabil genug, Alu wäre sicher auch möglich, aber aus meiner Sicht schwieriger zu verarbeiten.

      Die Löcher in den Opferbrettchen sind in der Tat etwas nervig. Da ist Toms Design sicherlich besser. Er hat das Brettchen auch zum Einschieben, wenn ich das richtig erinneren, was einfacher ist. Ich meine, dass ich damals geschaut und festgestellt habe, dass es u.a. Spanplatte und Sperrholz in 13 mm Stärke gibt, ich kann mich aber auch irren. Bisher benutze ich noch die Brettchen, die ich damals auf Vorrat hergestellt habe.

      Danke fürs Vorbeischauen – freut mich, wenn Du nützliche Anregungen gefunden hast.

      Beste Grüße,
      Andreas

  6. Hi Andreas,

    klasse Bohrtisch! Den gibt es für meinen Vater auch bald :P

    Wo hast du damals die Inca T-Nut Schienen her gehabt? Bei Amazon kosten die relativ viel, oder sind die tatsächlich so teuer? :o

    Grüße,
    Daniel

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