Ein neues Seitenteil für eine »halbe« Couch

Seitenteil CouchDurch unseren Umzug (schon vor über zwei Jahren) ergab es sich, dass die vorhandene Doppelcouch nicht mehr in das Wohnzimmer passte. Der rechte Teil davon steht nun also in einem anderen Raum, der Rest im Wohnzimmer. Leider sieht man der Couch sehr deutlich an, dass ein Teil fehlt, daher wollte ich schon lange dafür eine Lösung finden. Nach mehreren verworfenen Ideen habe ich nun schließlich selbst ein Seitenteil gebaut. Man sieht ihm zwar deutlich an, dass es stilistisch vom Rest abweicht, ist aber meines Erachtens trotzdem besser als die vorherige Situation.

Ideenfindung

Die Idee für ein hölzernes Seitenteil kam mir im Laufe der Zeit einfach dadurch, dass wir so viele andere Möglichkeiten bedacht und verworfen haben: Z.B. mit noch vorhandenem Stoff ein gepolstertes Teil machen lassen (zu teuer), nur Füße machen und die Seite mit einem Überwurf kaschieren (zu asymmetrisch gegenüber der anderen Seite) etc. Irgendwann landete ich bei einer dicken Platte mit Ablage, weil das zumindest ein gewisses optisches Gegengewicht zur breiten Polsterarmlehne auf der anderen Seite darstellen würde und dennoch machbar und bezahlbar war.

Die Idee war, die vorhandenen Verbindungbeschläge zu nutzen, mit denen vorher das zweite Teil der Couch eingehängt war, und damit ein hölzernes Seitenteil an der Couch zu befestigen. Um zu testen, ob das überhaupt wie gedacht funktioniert, habe ich zunächst aus einem Stück OSB-Platte ein Muster gemacht. So konnte ich die nötigen Feinheiten herausfinden, ohne gutes und teures Holz dafür opfern zu müssen.

Muster aus OSB-Platte

Umsetzung

Verleimen und Zuschnitt

Nachdem klar war, dass mein Ansatz mit den vorhandenen Beschlägen funktionieren kann, verleimte ich zwei 27 mm Buche-Leimholzplatten aufeinander, um eine dicke Platte zu erhalten. Ich hatte ein wenig Probleme, die dicken Platten mit meinen vorhandenen Zwingen angemessen zu verpressen, so dass am Ende einige Stellen blieben, bei denen die Fuge etwas klaffte. Diese habe ich dann später durch Nachleimen und mit ein wenig Holzpaste ausgebessert.

Verleimen

Verleimen

Nach dem Verleimen sägte ich die nunmehr 54 mm starke Platte auf Maß. Da das Sägeblatt meiner Tauchsäge auf der Schiene leider nur ca. 52 mm tief eintauchen kann, musste ich den noch stehen gebliebenen Steg mit der Hand nachsägen.

Zuschnitt

Vollständiges Durchtrennen

Mit dem Bündigfräser der Oberfräse entfernte ich den unregelmäßigen Steg, so dass die Seiten glatt wurden.

Bündigfräsen

Oben sollte das Seitenteil eine Ablage und Armlehne bekommen. Diese fertigte ich aus der Leimholzplatte in einfacher Stärke.

Armlehne beim Zuschnitt

Vorbereitungen für die Beschläge

Das originale zweite Teil der Couch steht auf vier Füßen und war mit zwei Beschlägen verbunden. Aufgrund seiner vier Füße steht es selbst stabil und die Beschläge müssen nur eine Verbindung schaffen, damit die beiden Teile nicht auseinander rutschen. Mein geplantes Teil steht nur auf zwei Punkten und ist daher für sich genommen nicht kippsicher. Ich wollte es daher möglichst an drei Punkten fixieren, damit es nicht kippelt. Die Herstellerfirma der Couch war so freundlich, mir auf Anfrage noch einen Beschlag zu schicken – und hat nicht mal was dafür verlangt. Danke!

Hier sieht man die drei Beschläge an der Couch. Die unteren beiden waren bereits vorhanden, den oberen hab ich montiert.

Beschläge an der Couch

Da unsere Couch von den Kindern zum Teil intensiv beansprucht wird, wollte ich mich pro Beschlag nicht auf zwei Holzschrauben verlassen, sondern habe zusätzliche Löcher gebohrt. Der Bohrtisch mit seinen Fixiermöglichkeiten hat dabei sehr geholfen. Später stellte sich heraus, dass die zusätzlichen Schrauben beim Einhängen der Beschläge im Weg wären, so dass ich dann doch noch eine andere Lösung gefunden habe (s.u.).

Bohren zusätzlicher Löcher

Senken der Löcher

Nun ging es daran, die Position der Beschläge anzuzeichnen und die Montage vorzubereiten. Um das Seitenteil möglichst nahe an die Seite der Couch zu bringen, musste ich die Beschläge 13 mm einfräsen – hätte ich das nicht getan, wäre eine deutlich sichtbare Fuge zwischen Couch und Seitenteil geblieben. Diese eingefrästen »Taschen« musssten außerdem nach oben hin deutlich größer sein als die Beschläge, damit man den Gegenbeschlag von oben einführen kann.

Anzeichnen der Positionen

Fräsen der Taschen für die Beschläge

Fräsen der Taschen für die Beschläge

Fräsen der Taschen für die Beschläge

Armlehne

Die Armlehne/Ablage wollte ich mit Dübeln verleimen. Weil man möglicherweise auch mal darauf sitzt, habe ich recht viele Dübel verwendet. Ich habe dabei zum ersten Mal mit dem Wolfcraft Meisterdübler-Set gearbeitet, was sehr gut funktioniert hat und zügig von der Hand ging. Meine Fixierungsmöglichkeiten an der Werkbank haben beim Einspannen des großen und schweren Werkstücks sehr geholfen.

Dübelverbindung

Dübelverbindung

Dübelverbindung

Dübelverbindung

Dübelverbindung

Vor dem Verleimen der beiden Teile musste ich noch einige Kanten runden, an die ich nach dem Verleimen nicht mehr herankommen würde. Unter anderem habe ich die Fuge zwischen dem senkrechten Teil und der Armlehne durch eine beidseitige Rundung betont, nachdem klar wurde, dass ich sie nicht komplett geschlossen hinkriegen würde. Grundsatz: Was man nicht verbergen kann, muss man betonen.

Runden einiger Kanten

Zum Verleimen von senkrechtem Teil und Armlehne, konnte ich mir glücklicherweise bei der Schreinerei Pozsgai hier vor Ort einige große Zwingen ausleihen. Danke dafür, Raphael! (Er macht übrigens tolle Möbel und verschickt diese auch (PDF), ein Blick auf seine Website lohnt sich!)

Verleimen

Montage der Beschläge

Nachdem ich gemerkt hatte, dass die geplanten zusätzlichen Löcher in den Beschlägen nicht funktionieren würden, kam ich auf eine andere Lösung, um die Verbindung zwischen Beschlag und Holz möglichst stabil zu machen. Ich besorgte mir Rampa-Muffen, die eine große Gewindefläche im Holz haben und in die ich dann Maschinenschrauben zur Fixierung der Beschläge eindrehen konnte.

Rampa-Muffen

Die auf den Fotos sichtbaren weiteren Löcher etwas oberhalb der Rampa-Muffen stammen von einem Messfehler, der bei einer Montageprobe glücklicherweise rechtzeitig zum Vorschein kam. Die zusätzlichen Löcher sind im fertigen Zustand unsichtbar, so dass das kein Problem war.

Montage der Beschläge mit Rampa-Muffen

Montage der Beschläge mit Rampa-Muffen

Montage der Beschläge mit Rampa-Muffen

Ausfräsen der »Füße«

Mit der Oberfräse und einem Nutenfräser fräste ich noch eine Aussparung an das untere Ende des Seitenteils, damit der Eindruck von »Füßen« ensteht. Hierzu spannte ich Anschlag- und Stopphölzer fest und arbeitete mich dann Stück für Stück in vier oder fünf Durchgängen durch die dicke Platte.

Anschläge für das Fräsen

Endbehandlung

Nun wurden noch die restlichen Kanten gerundet und das ganze Werkstück in mehreren Schritten mit dem Exzenterschleifer verschliffen (80er, 120er und schließlich 240er Körnung). Die Oberfläche behandelte ich zwei Mal mit Leinöl. Bei Heiko Rech bin ich zwar auf ein anderes Öl gestoßen, da ich das Leinöl aber noch hatte und schon etwas Erfahrung damit habe, blieb ich für dieses Mal dabei. Das Ergebnis gefällt mir gut. Die Obefläche ich schön glatt, aber nicht zu glänzend. Das Buchenholz hat durch das Öl einen schönen rötlichen Ton bekommen.

Endbehandlung

Fertig

Das Seitenteil ist nun montiert und passt ohne zu wackeln. Man sieht ihm natürlich an, dass es ursprünglich nicht zu dieser Couch gehörte, denn es ist u.a. viel schmaler als die gepolsterte Armlehne auf der anderen Seite. Allerdings finde ich die Lösung trotzdem viel besser als den vorherigen Zustand, so das das Ergebnis für mich ein sinnvoller Kompromiss ist.

Fertig montiertes Werkstück

10 Kommentare

  1. Gute saubere Umsetzung einer tollen Idee. Vorher mit den offenen Scharnieren und Schrauben sah die Couch nicht halb so gut aus wie jetzt mit deiner neuen Holzlehne. Dazu kommt noch, dass so Schienen ja auch beim Toben bestimmt nicht ganz ungefährlich für die Kids waren! Jetzt steht die Couch wieder gut da. Schöne Idee, netter Blog, weiter so!

    LG Markus

  2. Auf jeden Fall besser als vorher. An den Beschlägen kann man schnell hängen bleiben. Dann ist jetzt für die andere Couchhälfe etwas ähnliches geplant?

    1. Du andere Hälfte hat schon eine Lösung, dort konnte ich ein fertiges Buchenregal anstellen, das als Ablage dient.

  3. Sieht richtig chic aus und man sieht direkt, wie viel Arbeit in so etwas steckt.
    Das gewählte Holt passt ebenfalls super zum Boden!

    Wirklich gut gemacht!

    PS: Wahnsinnig viele Zwingen, die du da hast ;)

  4. Hallo Andreas,

    tolle Leistung! Muss zugeben, dass es viel besser als vorher ausschaut. Es gefällt mir auch wie die Couch zum Holzboden passt.. Schade, dass ich deine Blogbeiträge erst heute entdeckt haben, immerhin besser spät als nie:-)

    Grüße
    Peter

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