Bau eines Moxon Vise (Aufsatzzange)

moxon-vise-022Meine Werkbank hat keine Spannzange, und habe ich schon länger überlegt, wie ich diesen Mangel beheben könnte. An verschiedenen Stellen im Netz bin ich auf eine mobile Aufsatzzange (engl. Moxon Vise) gestoßen, die ich sowohl funktionell als auch ästhetisch sehr ansprechend fand. Ich habe mir viele Videos dazu angeschaut und intensiv überlegt, wie ich mir so eine Spannzange bauen könnte.

Den entscheidenden Anstoß hat dann eine Anleitung in der Zeitschrift Holzwerken gegeben. Inzwischen habe ich den Moxon Vise gebaut und will hier davon berichten.

Ideenfindung

Von Benchcrafted gibt es ein schönes Beschlagset mit allem, was man für den Moxon Vise braucht. Dieses Set wird auch in der Bauanleitung von Heiko Rech in Holzwerken Jan/Feb/2015 verwendet, an der ich mich hauptsächlich orientiert habe. Heiko hatte vorab zwei Teaser-Videos veröffentlicht:

Weitere Videos, die mir als Ideenquelle gedient haben, stammen von Mike Bandte …

… und von Jarek Ostaszewski, dessen Sprache ich zwar nicht verstehe, bei dem ich aber dennoch einiges abschauen konnte.

Meine Umsetzung

Material

In Heikos Anleitung wird neben dem original Benchcrafted Beschlag-Set Buchenleimholz als Material verwendet. Der Gesamtmaterialpreis ist mit ca. 280 EUR angegeben. Das war mir zu hoch, weil ich mit meiner Holzwerkerei gerade erst anfange und noch nicht sagen kann, wie intensiv ich die Zange nutzen werde und ich außerdem noch in der Aufbauphase meiner Werkstatt bin, so dass ich immer wieder auch noch andere Anschaffungen tätige. Ich wollte also versuchen, sie deutlich günstiger zu realisieren.

Aus Mikes Video habe ich die Idee, Trapezgewindestangen und passende Muttern einzeln zu kaufen. Beim eBay-Shop von Dold Mechatronik bin ich fündig geworden und habe eine 18/4 Trapezgewindestange (1 m) sowie 4 passende Muttern für unter fünfzig Euro bekommen. Außerdem hatte ich – wie Mike – noch alte Hantelscheiben, die ich als Handräder vewendet habe.

Als Plattenmaterial habe ich Multiplex verwendet. Ich hatte im Baumarkt vor einiger Zeit einige Reststücke verschiedener Stärke gekauft (27 mm, 21 mm und 18 mm) und dafür fünfzehn Euro bezahlt. Die 27er Platte ist in den Spannbacken und in den senkrechten Elementen des »Korpus« verbaut, die 21er Platte bildet die Deckplatte und die 18er Platte ist die Grundplatte.

Ebenfalls bei eBay habe ich günstig ein Stück Wildleder für die Innenseite der mobilen Spannbacke gekauft.

Konstruktion

Bei der Konstruktion bin ich weitgehend Heikos Anleitung gefolgt, wobei ich meinen Moxon Vise etwas schmaler gemacht habe als in der Vorlage, um nicht so viel Platz auf meiner Werkbank zu belegen. Da ich jedoch keine Lamellendübel-Fräse besitze, habe ich die Verbindungen geleimt und verschraubt. Das sieht natürlich nicht so schön aus wie die unsichtbaren Flachdübelverbindungen, ist für mich aber akzeptabel. Die Schrauben habe ich gründlich gesenkt, so dass die Köpfe auf keinen Fall über die Oberfläche ragen. Hier am Beispiel der festen Backe zu sehen.

Moxon Vise

Ich habe lange überlegt, wie ich die Muttern mit den Hantelscheiben verbinden könnte. Aus Mikes Video hatte ich die Idee aufgeschnappt, sie evtl. zu verschweißen (bzw. in einer Schlosserei vor Ort mit ein paar Schweißpunkten fixieren zu lassen, weil ich selbst nicht schweißen kann). Als die Muttern dann aber geliefert wurden, stellte sich heraus, dass bei den 27er Muttern die Grate nur sehr wenig über die in den Hantelscheiben vorhandenen 30 mm-Bohrungen hinausragen. Ich hatte daher die Idee, die Scheiben zu erwärmen, so dass sie sich ausdehnen und anschließend wieder um die inzwischen eingebrachten Muttern »herumschrumpfen« (diese Idee habe ich aus Der Maus.)

Als ich noch grübelte, wie ich die Scheiben heiß genug bekommen und sie trotzdem sicher verarbeiten könnte, kam mir die umgekehrte Idee: Die Muttern abkühlen, so dass sie etwas schrumpfen und dann vielleicht in die Bohrungen passen. Ich habe die Muttern also ein paar Stunden ins Gefrierfach gelegt, sie dann mit einer Zange angefasst, um sie nicht mit meiner Handwärme vorzeitig zu erwärmen und mit ein paar kräftigen Hammerschlägen passten sie tatsächlich in die Bohrungen der Hantelscheiben. Nach wenigen Minuten hatten sich die Muttern auf die Umgebungstemperatur erwärmt und dabei so ausgedehnt, dass sie nun nicht mehr zu bewegen sind (man muss natürlich zügig arbeiten und darauf achten, dass die Muttern rechtwinklig sitzen und nicht verkanten).

Mutter in der Hantelscheibe

Da die 27er Trapezmuttern auch 27 mm lang sind, ragen sie auf einer Seite über die Hantelscheibe hinaus, so dass die Mutter ein Stücke vor der Scheibe auf die Fläche der beweglichen Spannbacke auftrifft.

Handrad Moxon Vise

Die übrigen zwei Muttern fixieren die beiden Gewindestangen. Ich habe die Muttern aufgesägt, weil sie mit ihren 27 mm Länge sonst nicht in der festen hinteren Spannbacke zu versenken gewesen wären (deren Materialstärke ja nur 27 mm beträgt). Außerdem habe ich so aus einer gekauften Mutter jeweils zwei herausbekommen.

Aufgesägte Mutter

Versenkte Mutter

Mutter hinter der festen Spannbacke

In die bewegliche Spannbacke habe ich noch eine V-förmige Nut eingefräst, um bei Bedarf auch mal einen Rundstab oder eine Gewindestange sicher einspannen zu können. Diese Idee stammt aus dem Video von Jarek Ostaszewski. Das Leder habe ich wie von Heiko empfohlen einfach mit Holzleim auf der beweglichen Spannbacke fixiert und vor dem Einspannen sauber in die V-Nut gedrückt.

Verleimen des Leders

V-Nut in der beweglichen Spannbacke

Für die Bohrungen auf der Fläche habe ich einen 19 mm STAR-M Clean Exit Schlangenbohrer verwendet, der wirklich sehr zu empfehlen ist, weil er sehr saubere Löcher bohrt. Da ich keinen 19 mm Nutfräser für die T-Nut-Schiene besitze, habe ich die Nut in zwei Durchgängen mit einem 12er-Nutfräser und dem Parallelanschlag der Oberfräse gefräst. Hier hat sich meine Abweichung von Heikos Materialvorschlag etwas gerächt, weil ich bei der Auswahl der 21mm-Multiplex-Platte für die Deckplatte nicht bedacht hatte, dass die T-Nut-Schiene von Incra eine 13 mm tiefe Nut benötigt. Dadurch blieben nur noch 8 mm Material stehen, so dass die von Incra mitgelieferten Schrauben ein wenig unten aus der Platte herausragen. Auf den Außenseiten, wo das sichtbar gewesen wäre, habe ich daher jeweils etwas kürzere Schrauben verwendet.

T-Nut-Schiene

Fazit

Mein Moxon Vise ist fertig und hat mich insgesamt ca. hundert Euro gekostet. Er ist nicht so schön und handwerklich auch nicht so sauber wie der von Heiko Rech (oder gar der von Volker Hennemann , dessen Variante ich erst im Nachhinein entdeckt habe und die ich sehr beeindruckend finde), aber er funktioniert und leistet mir gute Dienste.

Moxon Vise

24 Kommentare

  1. Hallo Andreas,
    sehr gut Umgesetzt. Hatte mir die Holz Werken 50 gekauft und möchte die Aufsetzzange auch noch bauen. Ich muss sagen deine Multiplex Version gefällt mir sehr gut und da ich eh ein Freund von diesem Plattenmaterial bin, werde ich es wohl auch so machen.

    Danke für den tollen Beitrag.

    Gruß
    Patrick

    1. Hallo Patrick,
      danke. Wichtig ist, dass die obere Platte dick genug ist. Meine hatte 22 mm, was für das Einschrauben der T-Nut-Schiene zu knapp ist. 26 mm sollten es schon sein.
      Grüße,
      Andreas

  2. Hallo Andreas,

    super dass du mal zeigst, wie man sich die ohne die Aufsatzzange auch ohne den Bausatz bauen kann. Wie machen sich denn die Hantelscheiben als Griffe, sind die angenehm zu bedienen? Auf den Bildern sieht es aus, als wäre der Spalt zwischen Scheibe und der Zange ziemlich schmal, um da angenehm herumzugreifen – oder ist das bei der Bedienung egal?

    Beste Grüße
    Niels

    1. Hallo Niels,
      die Hantelscheiben funktionieren gut. Der Spalt ist in der Tat schmal, aber zusammen mit der relativ dicken U-Scheibe und der etwas überstehenden Mutter geht es. Außerdem sind meine Hantelscheiben so groß, dass ich ohnehin nur mit den Fingerspitzen auf den Rand komme, wenn ich die Scheiben ganz umfasse ;-). Wenn ich mehr Kraft brauche, kann ich aber trotzdem an jeweils einer Stelle gut »über den Rand« greifen und komme mit den Fingern hinter der Scheibe gut in die Lücke.

      Wenn einem der Spalt zu schmal wäre, könnte man ja auch noch eine zweite oder dritte U-Scheibe dazu legen.

      Herzliche Grüße,
      Andreas

  3. Hallo,
    was mich an der Konstruktion prinzipiell stört ist die Tatsache dass die Gewindestange fixiert ist und die Handräder rein, bzw. rausfahren. Dies hat zur Folge dass die Gewindestange bei eingespanntem Werkstück vorsteht und man sich daran verletzen könnte. (Oder man stößt sich daran während man gerade mit einer Maschine arbeitet)
    Ich würde das Handrad an der Gewindestange fixieren (Punktschweißen) und dafür nur 1 Mutter zwischen der hinteren Spannzange und der Aufdoppelung einsetzen. Somit dreht sich die Gewindestange mit und steht nicht mehr vor dem Handrad.
    Bin gerade dabei diese Idee bei meiner neuen Aufsatzzange umzusetzen. Mal sehen ob es klappt.
    Was haltet Ihr von der Idee?

    Gruß
    Markus

    1. Hallo Markus,
      Deine Überlegung mit den fest montierten Stangen stimmt natürlich, auch wenn ich bisher damit keine Probleme habe. (Ich hatte zuerst auf jeder Stange einen Tennisball, wenn ich fertig war mit der Arbeit, damit sich die Kinder nicht daran stoßen können, aber selbst das erwies sich als unnötig).

      Spontan fallen mir zwei Punkte ein, die Du meines Erachtens bedenken solltest:

      • Die Stangen haben in den Muttern etwas Spiel, wenn Du nur eine Mutter verwendest, werden die Stangen wohl leicht nach unten hängen und im losen Zustand wackeln.
      • Du musst diese eine Mutter sehr gut im Holz fixieren, damit die nicht mit der Zeit ihr Lager »aufweitet« oder sich herausarbeitet

      Ich bin gespannt, was Du zu berichten hast.
      Beste Grüße,
      Andreas

  4. Ich bin gerade dabei, mir eine Holzwerkstatt einzurichten.
    Habe mir erstmal ein MoxonVice „gebastelt“. Zwei M16 Gewindestangen mit entsprechenden Muttern tuen erstmal ihren Dienst (habe mir heute allerdings Trapezgewindestangen mit passenden Muttern bestellt *grins*).
    Ich habe mein MoxonVice nach dem Prinzip des „festen Griffes“ gestaltet, d.h. die Gewindestangen ist mit den Griffen verklebt und schieben sich beim zuschrauben in die Werkbank hinein (ja, ich habe den MoxonVice in die Werkbank eingelassen).
    Die Führungen kann man ggf. mit entsprechend dimensionierten Hülsen schützen.

      1. Klar, kann ich machen sobald ich ein wenig Zeit finde.
        Kann man hier Bilder einfügen oder soll ich welche verlinken ?

        (BTW: heute sind die Trapezgewindestangen geliefert worden; leider noch nicht ausgepackt)

  5. Der Trick mit den vereisten Muttern ist eine echte Freude für das Ingenieursherz.

    Mir fällt immer wieder auf, dass in Schreinerwerkstätten selten Metallbearbeitungsgerät verfügbar ist, das über Feilen und eine Bügelsäge hinausgeht. Schweißen oder fliegende Funken und Holzstaub sind aber vermutlich auch keine ideale Kombination.

    Das Einhämmern in Guss ist allerdings nicht ganz ungefährlich, wenn ich mich nicht täusche. Das hätte auch brechen können.

    1. Ich habe mich auch gefreut – zuerst, dass mir die Idee wieder eingefallen ist (der Sendung mit der Maus sei Dank) und dann, dass es geklappt hat ;-)

    2. Sebastian schreibt:
      *Der Trick mit den vereisten Muttern ist eine echte Freude für das Ingenieursherz.*
      Stimmt. Ist auch die einzige Lösung des Problems gewesen.
      Wenn die Hantelscheibe mit ’nem Brenner erwärmt wird, dehnt sich die ganze Scheibe aus. Demzufolge wird die Bohrung noch kleiner. Ist Physik. Kann man auch exakt berechnen.

      1. Hallo Richard, den Gedanken hatte ich später (nachdem ich schon alles montiert hatte) auch noch – schön, dass Du meine Vermutung bestätigst.

        Grüße,
        Andreas

  6. Hallo Andreas,
    Dank Deiner guten Beschreibung habe ich mir auch die Gewindestangen und die Muttern bestellt. Wie hast Du die Mutter bzw die Gewindestange geteil?

    Vielen Dank!!

    Henning

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