Gezahnte Forstnerbohrer im Test

wpid-test-forstnerbohrer_002.jpgVor einiger Zeit hat mir der Werkzeug-Shop Maschinenhandel Meyer freundlicherweise einen Satz Forstnerbohrer zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Eindrücke von den Bohrern möchte ich im Folgenden schildern.


Hinweis zur geäußerten Meinung: Ich habe selbstverständlich versucht, das zur Verfügung gestellte Material möglichst objektiv zu testen und mir eine unbeeinflusste Meinung zu bilden. Ob mir das gelungen ist, müssen aber andere beurteilen.


Grundlegende Eigenschaften und erster Augenschein

Ich habe ein Set aus fünfzehn Forstnerbohrern mit gezahntem Rand getestet plus dreier Bohrer mit glattem Rand zum Vergleich. Ich habe beim Testen nicht jeden einzelnen Bohrer, sondern nur einige verschiedene Größen ausprobiert. Das Bohrerset kostet regulär ca. 120 EUR, aktuell ca. 90 EUR. (Das Erscheinen dieses Tests wurde nicht mit dem vergünstigten Angebot koordiniert.)

Die Bohrer machen einen hochwertigen Eindruck und sind weitgehend sauber verarbeitet. An den Schneiden erkennt man hier und da sehr kleine Unregelmäßigkeiten, die aber meiner Einschätzung nach die Qualität der Schneiden nicht beeinträchtigen. Der Rand der Schneiden ist bei den getesteten Bohrern gezahnt und nicht glatt wie bei klassischen Forstnerbohrern.

Forstnerbohrer mit gezahntem und glattem Rand

Die Aufbewahrungsbox ist eher einfach gearbeitet und hat die Schwäche, dass die Bohrer darin auch im geschlossenen Zustand nicht fest in ihrer Position gehalten werden. Wenn die Kiste nicht waagrecht gehalten wird, purzeln die Bohrer in der Kiste herum. Außerdem ist die Nummerierung der Bohrer nicht gut gelöst: Die Nummer steht immer neben dem Bohrer, damit aber auch direkt über oder unter dem nächsten Bohrer, so dass man die Nummer intuitiv eher diesem zuordnet. Diese Schwäche wird dadurch gemildert, dass auf jedem Bohrer groß und gut lesbar der Durchmesser steht.

Bohrer in der Aufbewahrungsbox

Praxistest

Für den Test habe ich die Bohrer mit 20 mm, 22 mm und 40 mm Durchmesser jeweils in der Variante mit glattem und gezahntem Rand gegenüber gestellt. Gebohrt wurde jeweils mit der Bohrmaschine im Bohrständer.

Zunächst habe ich den 20 mm Bohrer in einem Stück Buche Leimholz ausprobiert und bin dabei bewusst etwas unvorsichtig vorgegangen: Wenig Vorsicht beim Eintritt in das Holz, zügiger und bis zum Austritt aus dem Werkstück kräftiger Vorschub. Bei diesem eher laienhaften Vorgehen zeigte sich, dass die Bohrer mit glattem Rand beim Eintritt einen saubereren Schnitt erzeugen als die Bohrer mit gezahntem Rand. Beim Austritt aus dem Werkstück ist es umgekehrt: Hierbei ist der Rand des Lochs bei den gezahnten Bohrern sauberer als bei den glattrandigen.

Eintrittstelle in das Werkstück

Austrittstelle aus dem Werkstück

Wenn man jedoch behutsam und langsam bohrt und den Vorschub nicht zu schnell durchführt, ist zwischen den beiden Bohrerarten im Hartholz praktisch kein Unterschied zu erkennen.

Eintrittstelle in das Werkstück

Austrittstelle aus dem Werkstück

Der Bohrwiderstand war bei den Bohrern mit 20 mm Durchmesser in beiden Varianten etwa gleich. Bei den Bohrern mit 40 mm Durchmesser und in anderen Materialien wie z.B. OSB-Platte war jedoch deutlich zu spüren, dass der Bohrer mit gezahntem Rand leichter durch das Material geht.

Bei Forstnerbohrern vor allem mir größerem Durchmesser ist die Temperatur beim Bohrern ein wichtiges Thema. Die Bohrer werden schnell heiß, die dünnen Schneiden können dabei durchglühen und ihre Härte und Schärfe verlieren.

Mein Eindruck während des Tests war, dass die Bohrer mit gezahntem Rand weniger heiß werden als die glattrandigen Bohrer. Das kann man u.a. an folgendem Bohrergebnis sehen: Der 40 mm-Bohrer mit glattem Rand hat im Bohrloch in Buche Leimholz deutliche Brandspuren hinterlassen, der Bohrer mit gezahntem Rand fast gar nicht. Ich habe mit bemüht, in beiden Fällen mit gleicher Vorschubgeschwindigkeit zu bohren und das Loch ohne Abheben des Bohrers in einem Durchgang zu bohren.

Vergleich Brandspuren

Ich habe die Temperatur der Bohrer nicht so ausführlich getestet, dass ich belastbare Aussagen machem könnte. Dazu hätte ich mit jedem Bohrer mehrere Bohrungen durchführen und die Bohrer zwischendurch wieder komplett auskühlen lassen müssen. Das wäre mir zu zeitaufwändig gewesen.

Allerdings habe ich zusätzlich zu meinem Eindruck während des Tests eine Stichprobe mit den vorher unbenutzten 22 mm-Bohrern genommen. Dabei habe ich kontinuierlich in eine OSB-Platte gebohrt bis der Kopf des Bohrers etwa plan im Holz eingetaucht war. Danach habe ich sofort die Temperatur des Bohrers mit einer Wärmebildkamera ermittelt. Vor der Bohrung war die Temperatur beider Bohrer gleichmäßig 23 °C. Nach dem Bohren war der glattrandige Bohrer um ca. 3 °C wärmer als der gezahnte. Das passt zu den vorherigen Beobachtungen und wäre bei Bohrern mit größerem Durchmesser wahrscheinlich noch ausgeprägter zu beobachten.

Wärmebild glattrandiger Bohrer

Wärmebild gezahnter Bohrer

Fazit

Die von mir getesteten Forstnerbohrer mit gezahntem Rand machen einen hochwertigen Eindruck. Das Bohrverhalten ist gut: Sie erzeugen einen sauberen Ein- und Austrittsschnitt, wenn man den Vorschub nicht zu schnell ausführt. Vor allem bei größeren Durchmessern arbeiten sie sich leichter in das Holz vor als die glattrandigen Bohrer und werden dabei auch weniger heiß. Gegenüber dem entsprechenden Set mit glatten Rand ist die gezahnte Variante deutlich teurer. Insgesamt ist aber der Preis für fünfzehn Bohrer dieser Qualität meines Erachtens sehr angemessen.

Wie sich die Bohrer langfristig schlagen und wie gut ihre Standzeit ist, kann ich natürlich nach dem ersten Test noch nicht sagen.

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