Zuschnittbrett mit Längenanschlag in die Werkbank integriert

wpid-saegeanschlag-005.jpg Da ich bisher keine Tischkreissäge habe, suchte ich nach einer Möglichkeit, zügig und wiederholgenau Platten und Leisten mit Tauchsäge und Führungsschiene rechtwinklig abzusägen. Dabei bin auf Guido Henns Zuschnittbrett gestoßen. Mit einigen Anpassungen habe ich mir basierend auf dieser Idee einen Sägeanschlag gebaut, der in die Werkbank integriert ist und mit wenigen Handgriffen auf- und abgebaut werden kann.

Hintergrund und Ideenfindung

Als ersten Schritt, um in meiner Werkstatt sinnvoll arbeiten zu können, habe ich vor einiger Zeit eine Tauchsäge mit Führrungsschiene angeschafft. Zuvor hatte ich alles entweder von Hand oder mit der Stichsäge gesägt, was mir natürlich bezüglich der Qualität der Schnitte enge Grenzen gesetzt hatte. Während Längsschnitte mit der Führrungsschiene sehr gut gelingen, ist es recht mühsam, vor allem schmale Bretter oder Leisten damit rechtwinklig abzulängen. Da auch meine Fähigkeiten, das von Hand zu machen, noch einiger Übung bedürfen, suchte ich also nach einer besseren Lösung.

Guido Henn stellt in einem Festool-Dokument (PDF, S. 40) die Methode des Zuschnittbretts vor. Auch im folgenden Video (ab ca. 5:45) zeigt er diese Methode.

Das schien mir für mich ein guter Ansatz, allerdings wollte ich das dauerhaft nutzen und möglichst nicht jedes mal aufbauen müssen. Ich habe die Idee daher etwas abgewandelt und einen Sägeanschlag fest in meine Werkbank integriert.

Meine Umsetzung

Die Grundlage meiner Umsetzung ist, dass die gesamte Werkbank als Zuschnittbrett fungiert und dass der hintere Anschlag dauerhaft und fest auf der Werkbank montiert ist. Zwei weitere Anschläge erlauben es, die Führungsschiene im rechten Winkel zum hinteren Anschlag zu positionieren.

Zuschnitt mit Sägeanschlag

Queranschlag

Als Anschlag für die Führungsschiene habe ich am hinteren Ende des Werktisches einen winkligen Anschlag mit durchgehenden Schrauben montiert, an dem die Schiene links bündig anliegt. Die Bohrung im Anschlag ist als Langloch ausgeführt, so dass man ihn um einige Millimeter nach rechts und links bewegen kann, sollte das zur Korrektur des rechten Winkels irgendwann mal nötig werden.

Bei der Aufstellung der Werkbank war es wichtig, dass das Sägeblatt ausreichend weit am Längsanschlag vorbei kommt, bevor die Grundplatte der Säge hinten an der Wand anstößt. Nur so kann man sicherstellen, dass man das Werkstück auch ganz durchtrennen kann.

Hinterer Anschlag

An der vorderen Kante der Werkbank kann der Anschlag nicht dauerhaft montiert werden, weil er bei anderen Arbeiten hinderlich wäre. Ich habe daher zwei Schlossschrauben so am Anschlag montiert, dass ihre Schäfte etwas unten überstehen. Der Anschlag wird dann in zwei entsprechende Löcher gesteckt, wenn man ihn braucht. Nach dem Sägen kann er herausgenommen und unter der Werkbank gelagert werden (das im zweiten Foto sichtbare zusätzliche Loch kommt daher, dass ich zunächst dachte, ich könne den Anschlag mit einem 19 mm-Rundstab fixieren, was aber nicht geklappt hat).

Vorderer Anschlag

Vorderer Anschlag

An der Stelle, wo die Schiene rechts endet, sägt man einen Schnitt in die Oberfläche der Werkbank. Da dieser aber in der Regel schmal und nur an dieser Stelle bleibt, ist das für mich akzeptabel. Bei einer hochwertigen Hobelbank wäre das wohl eher keine Option.

Problem mit Bosch-Führungsschiene

Nach meiner ersten Freude über die Idee des Zuschnittbretts stellte ich fest, dass sie mit der Bosch-Führungsschiene nicht so gut funktioniert, wie das in der Beschreibung von Guido Henn (PDF) gezeigt ist. Das liegt daran, dass die Grundplatte der Säge links über die Schiene übersteht und die linke Kante der Schiene nicht mehr so gut als Anschlagkante genutzt werden kann. Die Säge kann nämlich nicht am Anschlag vorbei geschoben werden, so dass die maximale Plattenbreite, die man sägen kann, stark eingeschränkt ist.

Säge auf Bosch-Führungsschiene

Daher habe ich mir eine Festool-Führrungsschiene besorgt. Die Bosch-Säge kann damit ebenfalls benutzt werden und da die Festool-Schiene breiter ist, ragt die Grundplatte der Säge links nicht mehr darüber hinaus. Das Gehäuse ist jedoch immer noch breiter als die Schiene, so dass man sie auch mit dieser Schiene nicht ganz unbehindert an den Anschlägen vorbeischieben kann. Es geht aber auf jeden Fall deutlich besser als mit der Bosch-Schiene.

Säge auf Festool-Führungsschiene

Auch wenn ich das Bosch-System prinzipiell gut finde (v.a. die Verbindung von zwei Schienen ist sehr gut gelöst), wäre es schön, wenn Bosch (bzw. Mafell, von denen das System wohl ursprünglich stammt) hier nachbessern könnte. Denn auch die zweite, nach oben ausgerichtete T-Nut der Festool-Schiene wäre für die Bosch-Schiene eine hervorragende Ergänzung, mit der man das Einsatzgebiet der Schiene deutlich erweitern könnte. Allerdings bräuchte man dann natürlich pro laufendem Meter Schiene deutlich mehr Aluminium, was die Schiene teurer machen würde.

Leider kippelt die Bosch-Säge auf der Festool-Schiene bei mir ein klein wenig. Ich konnte noch keinen Mangel an der Grundplatte erkennen, der das erklären würde. Möglicherweise liegt es daran, dass die Festool-Schiene zwei grüne Gleitstreifen hat, auf denen die Festool-Säge aufliegt. Die Grundplatte der Bosch-Säge ist aber schmaler und liegt nur auf dem rechten Streifen auf. [UPDATE] Ich habe dank eines Kommentars von Uwe eine Lösung für das Problem gefunden.  Wenn man um das Problem weiß, kann man durch Andrücken der Säge an die Schiene trotzdem sauber sägen. Die ersten Schnitte in der dicken Multiplex-Platte für meinen Moxon-Vise waren aufgrund dieses Problems aber schief, so dass ich nachbessern musste.

Außerdem muss man das Spiel der Säge auf der Führungsschiene für die Bosch- und für die Festool-Schiene unterschiedlich einstellen. Da die beiden Stellschrauben recht schwergängig sind, ist das etwas störend, aber hinnehmbar. [UPDATE] Ich habe die Stellschrauben etwas modifiziert, um das Verstellen leichter zu machen.

Längeneinstellung am Längsanschlag

Entlang der hinteren Kante der Werkbank habe ich aus Multiplex-Platten einen Längsanschlag montiert, auf dem eine doppelte T-Nut-Schiene von Incra aufsitzt, die eine integrierte Zentimeterskala hat. Mit einem selbstgebauten beweglichen Stopp-Holz kann ich so die gewünschte Länge einfach einstellen. Für den ersten Anschnitt, bei dem das Werkstück noch länger als die Endlänge bleiben soll, kann man das Stopp-Holz nach oben klappen. Man kann damit die gewünschte Länge auch eingestellt lassen, wenn man zwischendurch etwas Längeres sägen möchte.

Stopp-Holz am Sägeanschlag

Stopp-Holz am Sägeanschlag

Stopp-Holz am Sägeanschlag

Bei der T-Nut-Schiene muss man beachten, dass die mitgelieferte Skala nach rechts aufsteigt. Das ist leider auf der Produktseite nicht vermerkt. Es steht dort auch nirgends, dass man für wenig Geld eine nach links ansteigende Skala bestellen kann. Nach einigem Suchen habe ich diese aber gefunden und konnte meinen Längenanschlag wie gewünscht realisieren.

Fazit

Die Konstruktion dieses Anschlagsystems war etwas aufwändig, hat sich aber für mich gelohnt, weil ich so nun viel schneller und zuverlässiger als vorher mit der Tauchsäge arbeiten kann. Für größere Projekte muss sich der Anschlag noch bewähren, bei kleineren Arbeiten hat er sich aber schon als sehr nützlich erwiesen.

17 Kommentare

  1. Kannst du mal Maße posten. Möchte mir das gerne nach bauen, was spricht dagegen auf der Seite des Längsanschlages, diesen auch für das Anlegen der Führungsschiene zu nutzen?

    Gruß

    Stefan

    1. Meine Werkbank ist ca 220 x 80 cm. Der Längsanschlag ca. 180 cm lang.

      was spricht dagegen auf der Seite des Längsanschlages, diesen auch für das Anlegen der Führungsschiene zu nutzen?

      Das geht bei mir nicht gut, weil – wie im Beitag geschrieben – die Bosch Säge links über die Schiene hinausragt. Wenn die Schiene am Längsanschlag anliegt, stößt das Gehäuse der Säge am Anschlag an, bevor das Sägeblatt die Schnittlinie mit dem Anschlag überquert hat, d.h. das Werkstück ist noch nicht komplett durchgesägt, man kann die Säge aber nicht mehr weiter nach hinten schieben.

      Wenn Du eine Festool-Tauchsäge hast (oder eine andere, deren Gehäuse nicht links über die Schien ragt), brauchst Du diesen Workaround nicht und kannst die Schien am Anschlag anlegen (so ist es in der oben verlinkten Lösung von Guido Henn auch vorgesehen).

      Eines noch: Ich habe inzwischen gemerkt, dass meine Schrauben für den beweglichen Anschlag an der Vorderseite der Werkbank zu kurz sind. Die Löcher sind schon ein wenig ausgeleiert und daher hat der Anschlag etwa Spiel. Es wäre evtl. sinnvoll, Metallhülsen in der Werkbank zu versenken und dann Stifte oder lange Schrauben zur Fixierung dieses Anschlags zu verwenden, damit das nicht passiert.

      Viel Erfolg beim Nachbauen.
      Grüße,
      Andreas

  2. Hallo Andreas,

    jetzt verstehe ich das. Danke für die ausführliche Erklärung. Dann werde ich mich
    die nächste Woche mal dran machen.

    Schönes Wochenende

    Stefan

    1. Hallo Dario,
      Das Prinzip ist, dass der hintere Anschlag mit durchgehenden Schrauben fixiert ist und diese Schrauben im Anschlag in Langlöchern geführt sind. So kann man die Schrauben etwas lösen, den Anschlag leicht nach links oder rechts bewegen und dann im rechten Winkel wieder festschrauben. Klingt gut, war aber ein ziemliches Gefummel, bis es gepasst hat.

      Anschlag des Zuschnitt-Bretts

      Grüße,
      Andreas

    1. Ja. Ich habe über einen Mechanismus zum Hochklappen nachgedacht, so wie es am Festool MFT ist, aber bei mir ist an der Wand zu wenig Platz und außerdem war es schwierig, das rechtwinklig zu realisieren.

  3. Hallo.

    Mich würde interessieren, was das für ein Führungsschienenprofil ist, auf dem das Maßband aufgeklebt ist. Kannst Du mir eine Bezugsadresse nennen?

    Liebe Grüße
    Thomas

  4. Moin Andreas,

    das Prinzip, bzw. den Anschlagstop werde ich mal in meine Betrachtungen zum Anschlagstop für meine Kappsäge einbeziehen.
    Es gibt zwar fertige Systeme (Incra, Kreg), aber die wären dann trotzdem alle noch abzulängen oder für meine Nutzung zu optimieren.
    Vielen Dank fürs Zeigen. Hat mit echt eine Idee gezeigt.

    Gruß
    harald

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