Einen Schiebetürenschrank bauen

In unseren Abstellraum gab es Bedarf für … sagen wir: „strukturierten Stauraum“, denn unstrukturiertes Zeug zum Verstauen gibt es dort genug. Da der Raum flexibel genutzt werden soll und auch mal Gästezimmer ist, sollte die Lösung möglichst mobil sein, das heißt: ein Schränkchen auf Rollen. Und da die Rollen die Standfestigkeit etwas beeinträchtigen, habe ich mich für Schiebetüren entschieden. Daher dokumentiert dieser Artikel den Bau eines Schiebetürenschranks auf Rollen.

Planung

Zur Planung benutzte ich zum ersten Mal das Tabellenkalkulationsprogramm (Apple Numbers), um so leichter die einzelnen Detail- und Gesamtmaße ermitteln zu können. Diese Idee habe ich von Wolfram Herzog abgeschaut, der das in einem Blogpost mal erwähnt hat.

Diese Methode fand ich sehr nützlich, denn so konnte ich mir einzelne Detailaspekte des Werkstücks klarer vorstellen und außerdem zwischendurch auf den Ausdrucken immer mal wieder schnell Maße nachschauen.

Als Material verwendete ich Fichte Leimholz: 28 mm stark für Boden und Deckel, 18 mm stark für die übrigen Teile. Ich hatte zunächst überlegt, eine ganze Platte beim Holzfachhandel zu kaufen, allerdings hätte ich da mehr als die Hälfte der Platte übrig gehabt und außerdem dann nur eine Stärke kaufen können. So wurde es dann Baumarkt-Ware. Das habe ich aber durchaus bereut, denn trotz sorgfältiger Prüfung vor dem Kauf und handverlesener Auswahl der einzelnen Platten, hatten sich doch einige mit Schadstellen eingeschlichen, die ich später auskitten musste.

Zuschnitt und Bearbeitung der Einzelteile

Den Zuschnitt erledigte ich wie üblich weitgehend mit der Tauchsäge und der Führrungsschiene.

Anschließend bohrte ich die Dübellöcher, was ich (immer noch) mit dem Meisterdübler mache. Zwar finde ich das Einstellen der Bohrtiefe und auch die Handhabung dieser Bohrschablone als ziemlich fummelig, bisher habe ich allerdings noch keine Flach- oder Runddübelfräse, so dass es halt damit gehen muss (und es geht auch immer wieder recht gut damit).

Als die Dübellöcher alle gebohrt waren, fräste ich die verschiedenen Nuten:

  1. Umlaufend eine Nut für die Rückwand, denn diese sollte komplett in eine Nut eingesteckt werden. Einerseits, um dem Schränkchen zusätzliche Stabilität zu verleihen (es wird ja in beladenem Zustand auch mal seitlich geschoben), andererseits, um das Schränkchen auf von hinten ansehnlicher zu gestalten, weil es vielleicht auch mal frei im Raum steht.
  2. An der Vorderkante des Bodens und des Deckels je zwei Nuten, in denen die Schiebetüren später laufen werden. Die unteren fräste ich 7 mm tief, die oberen 15 mm. Diese extra Tiefe oben ist nötig, weil die Türen zunächst oben in die Nut eingeführt werden, bis sie anstehen und dann unten oberhalb der Fläche des Schrankbodens in die untere Nut geschoben werden. Wenn man sie dann unten aufstellt, stecken sie sowohl oben als auch unten ca. 7 mm tief in der Nut. (Das klingt komplizierter als es ist, im zweiten Video unten sieht man gut, wie das funktioniert).

Die runden Enden der Nuten stemmte ich mit dem Stemmeisen eckig aus.

Anschließend fräste ich ebenfalls an Deckel und Boden eine große Fase: Am Deckel nach unten, am Boden nach oben weisend. Diese hat nur optische Gründe. Danach ermittelte ich das genaue Maß der Rückwand und sägte diese mit der Tauchsäge zu.

Testweiser Zusammenbau

Nachdem nun fast alle Teile zugeschnitten und fertig bearbeitet waren, fügte ich das Schränkchen testweise zusammen. Das hat gut geklappt, so dass ich nicht nacharbeiten musste. Im aufgebauten Zustand ermittelte ich die exakten Maß der Schiebetüren. Diese habe ich aus 15 mm Birke Multiplex erstellt, weil ich sicher gehen wollte, dass sie sich nicht verziehen und weil bei den Schiebetüren ja kein Platz für Gratleisten oder Ähnliches ist. Da das ganze Schränkchen eine recht stark deckenden weißen Anstrich erhalten sollte, ist der Unterschied im Material aus meiner Sicht kein Problem.

Endbearbeitung und Verleimen

Nachdem nun alle Teile gut passten, erhielten die sichtbaren Kanten noch eine kleine Fase mit der Oberfräse. Anschließend schliff ich alle Teile zunächst mit 120er und dann mit 240er Korn.

Dann ging es ans Verleimen. Obwohl der testweise Aufbau gut geklappt hatte, kam ich beim Verleimen zwischendurch ins Schwitzen, weil die Rückwand partout nicht überall in die Nut rutschen wollte. Nach einigem Klopfen, Rütteln und Fluchen klappte es dann aber doch.

Während der Leim trocknete, bohrte ich noch die Grifflöcher in die Türen und rundete sie mit der Oberfräse ab.

Oberflächenbehandlung und Abschlussarbeiten

Nachdem ich einzelne Astausbrüche ausgekittet und glatt geschliffen hatte, behandelte ich die Oberfläche mit zwei Lagen Osmo Wohnraumwachs. Das habe ich zum ersten Mal benutzt und bin sehr zufrieden damit. Es lässt sich gut auftragen, ist wasserbasiert und nach Angaben des Herstellers selbst für Kinderspielzeug geeignet. In weiß trifft es aus meiner Sicht die richtige Mischung aus Deckkraft und Transparenz, so dass noch ausreichend Maserung durchscheint und man die Holz-Anmutung des Möbels noch deutlich sieht.

Am Ende montierte ich noch die Rollen und je einen Klapphaken auf jeder Seite, an denen Taschen oder Rucksäcke aufgehängt werden können.

Ergebnis: Der fertige Schiebetürenschrank

Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Es ist das erste richtige Möbelstück, das ich gebaut habe. Natürlich gibt es bezüglich der Effizienz bei Planung und Ausführung sowie bei der Qualität der Verarbeitung noch reichlich Luft nach oben, aber dennoch ist es aus meiner Sicht gut geworden.

Die Materialkosten betrugen ca. 200 EUR (Leimholzplatten in 28 mm und 18 mm, Multiplexplatten in 15 mm für die Türen, Sperrholz 12 mm für die Rückwand, Rollen und Haken, Osmo Wachs).

Ein Problem trat ganz am Ende etwas unerwartet auf: Während sich die Schiebetüren (15 mm stark) in den 16 mm breiten Nuten im Rohzustand sehr gut schieben ließen, hafteten sie nach dem Streichen mit dem Osmo-Wachs sehr stark und ließen sich kaum noch bewegen. Das lag nicht an der zusätzlichen Dicke, sondern daran, dass das Wachs offensichtlich eine weniger gleitfähige Oberfläche bildet als das rohe Holz. Hier schuf ich Abhilfe durch ein Gleitband, das ich in die Nut klebte. Es ist weiß-transparent und daher nicht zu sehen, sorgt aber durch seine sehr glatte Kunststoffoberfläche dafür, dass die Türen sich nun gut schieben lassen.

Videos

Die beiden Videos dokumentieren den Bau noch etwas ausführlicher.

5 Kommentare

  1. Guten Tag Herr Kalt,

    ich verfolge seit geraumer Zeit Ihre Seite und bin immer wieder überrascht über interessante Reportagen aus der Welt des Holzwerkens, über Tipps, Tricks und Projekte — und natürlich über den Blick jenseits der eigenen vier Wände im Blog-Projekt.

    Gestatten Sie mir eine Anmerkung zu dem Schränkchen, das sonst sehr schmuck daher kommt und auch gut gearbeitet ist: Die beiden Grifflöcher können es nämlich in sich haben. Gerade mit Blick darauf, dass Kinder an dem Schränkchen hantieren, besteht nicht unerhebliche Quetschgefahr, wenn ein Kinderfinger in einem der Grifflöcher steckt, während vielleicht ein anderes Kind die zweite Schiebetür mit Schmackes zu Seite schiebt. Mein Vorschlag: Muschelgriffe, die es für wenig Geld gibt und die eventuell sogar mit der Oberfräse bündig eingelassen werden. Sieht zwar nicht ganz so urig aus, ist aber sicherer.

    Ansonsten: Weiter so und Ihnen alles Gute im neuen Jahre

    1. Hallo Herr Huge,
      danke für die konstruktive Rückmeldung. Daran hatte ich in der Tat nicht gedacht – u.a. deswegen, weil unsere Kinder in ihren bisherigen Lebensjahren eher gesittet waren und solche Aktionen wie Sie sie beschreiben bisher nicht vorgekommen sind. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass sie nicht irgendwann passieren können. Ich hatte sogar zwei Muschelgriffe besorgt, die aber schlecht gearbeitet waren (scharfkantig), so dass ich sie spontan durch die Löcher ersetzt habe.

      Auf jeden Fall werde ich bei künftigen Projekten diesen Aspekt mitbedenken.

      Danke noch mal für Ihr Interesse und die guten Wünsche. Freut mich, wenn Ihnen meine Inhalte gefallen!
      Freundliche Grüße,
      Andreas Kalt

  2. Hallo Herr Kalt!

    Ich bin gerade auf Ihrer Seite unterwegs. Ich habe einen ähnlichen Schrank, mit dem gleichen Türaufbau und den Grifflöchern gehabt.
    Dies war so ausgeführt !

    Die Anmerkungen zu dem Schränkchen,von Herrn Huge,lassen sich ganz einfach lösen.
    Auf die Rückseiten der Grifflöcher, je ein Restestück von einer Rückwand leimen, so das
    die Türen sich aber noch verschieben lassen. Dies hat den gleichen Effekt wie Muschelgriffe.
    Eventuell noch innen an der rechten Vordertüre oben rechts, einen Anschlag anbringen,
    der die Türe kurz vor dem Loch der linken hinteren Türe stoppt.
    Vorteil : Öffnet man die linke Türe,geht die rechte,falls nicht geschlossen in ihre Ausgangsposition zurück!

    Mit freundlichen Grüßen!

    Manfred

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