Eine einfache Stoßlade selbst bauen

Stoßlade selbst bauen

Neulich hatte ich die Freude, einen Tag mit meinem Schweizer Holzwerker-Kollegen Lukas Jenni in der Wersktatt zu verbringen. Wir wollten uns treffen, uns austauschen und natürlich auch ein kleines Projekt zusammen bauen. Nach einiger Überlegung entschieden wir, eine einfache Stoßlade (shooting board) zu machen. Hier ist der Baubericht.

Zunächst überlegten wir, wie wir die beiden Stoßladen so gestalten könnten, dass wir sie in den wenigen Stunden zu zweit bauen konnten (jeder sollte ein Exemplar bekommen, daher bauten wir zwei). Als Trägerplatte nahmen wir ein Stück Siebdruckplatte, weil darauf der Hobel gut gleitet, die Anschlagplatte für den Hobel sollte aus Multiplex sein und auf die Trägerplatte aufgeschraubt werden.

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Nachdem die groben Maße erdacht waren, sägten wir alle Teile zu.

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Nach dem Zuschnitt leimten wir zunächst zwei Multiplex-Stücke aufeinander für den Anschlag. So konnte der Leim trocknen während wir an den anderen Teilen arbeiteten.

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Während der Leim trocknete, schraubten wir die Anschlagplatte auf die Grundplatte. Bei diesem Schritt ist es noch nicht wichtig, dass der Absatz, an dem der Hobel entlang gleitet, im exakt rechten Winkel zur Trägerplatte ist.

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Nach diesem Arbeitsschritt gab es auch schon Mittagessen und anschließend war der Leim getrocknet, so dass wir weiter arbeiten konnten.

Wir sägten die Anschlaghölzer auf die Endbreite und Länge und fixierten sie mit drei Leimpunkten auf dem Deckbrett. Dabei kommt es nun natürlich auf den exakt rechten Winkel an, weil dieser Anschlag später den Winkel für die zu bestoßenden Teile vorgibt. Wir testeten daher mehrere Winkel mit der Umschlagmethode und fanden dabei einen wirklich genauen 90°-Winkel (nur einer von drei gestesten war genau). Details dazu im Video unten.

Damit die Anschläge sich beim Verleimen nicht bewegen, legten wir lediglich schwere Gegenstände auf und benutzten keine Zwingen. Beim Zwingen ist es oft schwierig, das Verrutschen auf dem Leim zu verhindern. (Im Nachhinein fiel mir ein, dass manche Leute etwas Salz auf den Leim streuen, um das Verrutschen zu verhindern: Die Salzkörner geben Grip zu Beginn des Verleimens, so dass das Werkstück nicht verrutscht, da sie aber wasserlöslich sind, lösen sie sich anschließend im Leim auf – ich selbst habe das aber noch nie probiert).

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Nachdem auch dieser Leim angetrocknet war – wir hatten wieder viel Zeit zum Schnacken ;-) – verschraubten wir die Anschläge noch, um sie endgültig zu fixieren.

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Nun bekamen die Stoßladen noch eine Leiste an der vorderen Unterseite, so dass man sie – wie einen Bankhaken – gegen die Werkbankkante drücken kann. Dadurch verrutschen sie nicht beim Arbeiten.

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Dann wurde der Anschlag mit dem Flachwinkelhobel bündig mit der Kante gehobelt und die hintere Kante des Anschlags – um Ausriss zu vermeiden – noch etwas gebrochen.

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Nun konnten die Stoßladen ausprobiert werden. Die Winkel passen und so haben wir beide dieses nützliche Werkzeug nun in unseren Werkstätten. Natürlich gibt es wesentlich aufwändigere und vielseitigere Versionen einer Stoßlade. Wenn man mehr möchte (z.B. Gehrungsaufsätze), kann man einfach danach googlen, am besten auch nach dem englischen Begriff (shooting board) und findet dann v.a. auf YouTube tolle Anleitungen.

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Video

Wie immer zeigt das Video den Bau noch etwas ausführlicher, mit einigen Tipps und zwei Special Guests am Ende.

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Beim Anschlag ausrichten gehe ich immer wie folgt vor: Auf den Seiten die Bohrungen für je eine Schraube anbringen, dann Leim drauf. Anschlag positionieren und dann eine Schraube gefühlvoll von Hand eindrehen. Dann Anschlag genau ausrichten, zweite Schraube rein drehen. Nochmal alles prüfen, dann beide Schrauben festziehen.

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