Ein Deko-Objekt aus einem 200 Jahre alten Eichenbalken bauen

Das Haus meiner Großmutter wurde vor einiger Zeit abgerissen. Aus den Abrissmaterialien habe ich einige Eichenbalken gerettet, um mal irgendwan was daraus zu bauen. Nun hat sich sowohl die Gelegenheit als auch die Idee ergeben, als Geschenk ein Deko-Objekt in Form eines Kerzenständers zu bauen.

Die Balken lagern schon seit einiger Zeit auf dem Regal, das ich eigens für sie hergestellt hatte.

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Zunächst ging ich daran, die Nägel und anderen Metallreste, die sich an dem Balken befanden, zu entfernen. Die Balken waren Teil eines Fachwerks, das aber im Laufe der Jahre überputzt wurden war. Man hatte mit Hakennägeln ein Drahtgeflecht daran befestigt, auf das der Putz aufgebracht worden war. Entsprechend waren neben den Metallteilen auch noch viele Putzreste vorhanden, vor allem in den Fugen des Balkens.

Ich benutzte eine Reihe von Drahtbürsten, um den Schmutz, die Putzreste und auch wurmstichige Holzbereiche abzutragen.

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Dieser Teil des Projekts dauerte mit Abstand am längsten. An vielen Stellen war es schwer abzuschätzen, wann die Oberfläche „fertig“ ist.

Der nächste Schritt war, das untere Ende des Balken so herzurichten, dass ich ein rechtwinkliges Loch bohren konnte, das als Aufnahme für den Standfuß dienen sollte. Der Balken hatte an beiden Seiten Zapfen, auf der Unterseite war dieser stark beschädigt, so dass ich ihn glatt absägte.

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In einer Schlosserei hier im Ort hatte ich einen Standfuß sowie eine runde Platte herstellen lassen. Die Platte dient später dazu, eine Kerze zu tragen. Ich lackierte das Metall schwarz.

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Dann ging ich daran, das Loch für den Standfuß zu bohren. Es ist nicht ganz einfach, ein rechtwinkliges Loch in die Stirnseite eines langen Stück Holzes zu bohren. Schwieriger wird es noch, wenn das Holz keine geraden Kanten hat, sondern uneben und teilweise leicht verdreht ist. Am Ende entschied ich mich dazu, meine Standbohrmaschine in eine waagrechte Position zu drehen und den Balken auf einem dicken Brett in den Bohrer zu schieben. Das hat gut geklappt: Der Balken steht optisch gerade.

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Anschließend musste die Oberfläche des Balkens noch angenehmer gestaltet werden. Durch das Bürsten hatte sie eine interessante Struktur bekommen, allerdings war sie dadurch auch rau geworden, Splitter standen ab und es gab scharfe Kanten. Die alten Zapfenlöcher waren außerdem nicht sehr sauber gearbeitet worden und erschienen mir etwas unansehnlich. Ich stemmte sie daher etwas sauberer aus und schliff alle Oberflächen mit dem Exzenterschleifer, so dass eine gute Balance zwischen Struktur und angenehmem Griff entstand.

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Danach schnitt ich mit dem Winkelschleifer einen kleinen Schlitz in die Seite des Balkens, wo ich dann die Platte für die Kerze einklebte. Ich benutzte den Winkelschleifer aus zwei Gründen: Erstens brauchte ich einen Schnitt der ziemlich genau der Dicke der Metallplatte entsprach und das war bei keinem meiner Sägeblätter der Fall. Zweitens musste die Scheibe einen kleineren Durchmesser als die Metallplatte haben, damit Letztere an den Ein- und Austrittsstellen des Schlitzes keine Lücken offen lässt. Zum Fixieren der Metallplatte benutzte ich starken Alleskleber und klemmte sie außerdem mit kleinen Keilen von unten fest.

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Nun konnte ich den Balken auf den inzwischen getrockneten Standfuß stecken. Der Durchmesser des Dorns auf dem Fuß ist 15 mm, das Loch habe ich 16 mm gebohrt. Dennoch war einiger Schwung nötig, um den Balken ganz in das ca. 8 cm tiefe Sackloch zu drücken.

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Am Ende ölte ich den Balken mit Leinölfirnis. Ich hatte überlegt, ob ich diesen Schritt lassen sollte, allerdings sah die Oberfläche in rohem Zustand nach meinem Geschmack  recht „unfertig“ aus und verschiedene Bereiche, v.a. das Hirnholz auf der Oberseite, erschienen einfach zu unbearbeitet. Durch das Ölen wurde das Holz sehr dunkel. Das lag wohl daran, dass ich mit einer Stahl-Bürste gearbeitet habe. Auf Instagram wies mich Michael auf diese Tatsache hin. Anscheinend reagieren die Tannine (Gerbstoffe) im Eichenholz mit dem Stahlabrieb. Hätte ich nur mit Messingbürsten gearbeitet, hätte man die dunkle Färbung wohl vermeiden können. Sie stört allerdings nicht. Am Aufstellort des Empfängers des Geschenks passt das dunkle Holz gut in den Rest des Ambientes.

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Ergebnis

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Video

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