Einen Picknicktisch  bauen – Ausführliche Anleitung mit Videos

An meiner Schule wollen wir am Ende des Schuljahrs im Rahmen der Projekttage ein Projekt anbieten, in dem wir mit Schüler/innen Picknicktische für den Schulgarten bauen. Dieses „grüne Klassenzimmer“ hat unter anderem einen Teich, seit kurzem auch eine Schulimkerei und außerdem viele heimische Büsche, Bäume und andere Pflanzen. Was bisher fehlt, sind Sitzmöglichkeiten, damit man z.B. im Biologieunterricht auch angemessen draußen arbeiten kann. Die Picknicktische sollen nun diese Lücke füllen.

Um den Bau einmal auszuprobieren und um eine vollständige Dokumentation davon zu haben, baute ich einen Tisch im Voraus. So konnte ich testen, ob alles so passt, wie ich es mir vorstelle und ob das Design auch mit Schüler/innen gut durchführbar ist. Dieser Blogpost und die beiden Videos (s.u.) sind nun die Dokumentation des Baus, so dass die Schüler/innen das schon im Voraus nachvollziehen können.

Ich habe bewusst darauf geachtet, einfache Werkzeuge zu verwenden, damit möglichst viele Arbeiten tatsächlich von den Schüler/innen durchgeführt werden können. Lediglich der Zuschnitt der Bretter und das Sägen der geraden Tisch- und Bankkanten wurden mit meiner elektrischen Tauchsäge mit Führungsschiene gemacht. Dieses Werkzeug dürfen Schüler/innen nicht benutzen, so dass einer von uns Lehrern diesen Schritt erledigen wird.


Ein Wort zur Sicherheit

Natürlich bekommen unsere Schüler/innen vor dem Projekt eine angemessene Einweisung in die sichere Handhabung der verschiedenen Werkzeuge. Wenn Du dieses Projekt ebenfalls mit jungen Leuten durchführen möchtest, musst Du wissen, was Du tust, musst die in Deinem Bundesland geltenden Sicherheitsbestimmungen kennen und diese anwenden. Nicht alle Schritte, die ich hier tue, werden später von Schüler/innen durchgeführt werden!


Ideenfindung

Die Grundidee für das Design des Tischs habe ich von einem Kanadier namens Ken, der seine Version hier veröffentlicht hat: Build a picnic table.

Außerdem kam ich durch diesen Beitrag im Forum Holzwerkertreff auf die Idee, die Bretter der Tischplatte von unten zu schrauben und den Schrauben in einem Langloch etwas Platz zu geben, damit die Bretter arbeiten können.

Wie immer vielen Dank an alle, die im Netz ihr Wissen und ihre Erfahrung teilen!

Materialien

  • Glattkantbretter Douglasie, 135 x 27 mm, 4 m lang (aus einem Sägewerk in der Nähe)
  • Rahmen Douglasie, 70 x 45 mm, 3 m lang (aus dem Baumarkt, wo es diesen Querschnitt gab und wo er gerade im Angebot war)
  • 8 Schlossschrauben, 8 x 100 mit Unterlegscheiben und Klemmmuttern
  • Sechskantholzschrauben 8 x 100 und 8 x 80 mit Unterlegscheiben
  • Senkkopfholzschrauben 5 x 70 und 5 x 100

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Meine Umsetzung

Ich habe den Bauplan von Ken an die oben genannten Materialien angepasst. Außerdem sollten die Tische noch ein Loch für einen Sonnenschirm bekommen, was u.a. eine zusätzliche Strebe unter dem Tisch nötig machte.

Zuschnitt

Zunächst sägte ich die 4 m langen Bretter grob auf die halbe Länge, da der Tisch etwa zwei Meter lange sein soll. Dieser Schnitt kann grob sein, weil später die Tischkante sauber mit der Führrungsschiene gesägt wird.

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Tischplatte

Dann legte ich die Bretter der Tischplatte auf dem Boden aus und steckte kleine Sperrholzstücke als Abstandshalter dazwischen (8 mm). So konnte ich dann auch die Länge der Querstreben messen, die die Bretter zu einer Tischplatte zusammen halten. Die Streben sind 5 cm kürzer als der Tisch breit ist und bekommen an ihren Enden jeweils einen 60°-Winkel.

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Die beiden äußeren Streben stehen hochkant, die mittlere liegt quer auf, weil durch die mittlere später das 45 mm-Loch für den Sonnenschirm gehen wird und die schmale Seite der Strebe selbst nur 45 mm breit ist.

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Nach dem Sägen habe ich alle frischen Kanten mit der Feile gebrochen, so dass sie eine deutliche Fase haben und man sich nicht mehr daran verletzen kann.

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Dann habe ich die Streben gleichmäßig auf den Brettern der Tischplatte verteilt. Die beiden äußeren haben einen Abstand von 30 cm von der Tischkante, die mittlere sitzt genau in der Mitte. Anschließend habe ich die Löcher für die Schrauben angezeichnet. Diese sitzen ca. 1,5 cm von der Brettkante nach innen versetzt.

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Die Löcher wurden als Langlöcher ausgeführt, damit die Schrauben sich darin etwas bewegen können. Da der Tisch im Freien steht, werden die Bretter durch Schwankungen der Feuchtigkeit und der Temperatur „arbeiten“, d.h. sich bewegen. Damit die Schrauben dabei nicht abreißen oder die Bretter dabei kaputt gehen, sollen die Schrauben diese Bewegungen mitmachen können.

Zu diesem Zweck habe ich immer zwei Löcher direkt nebeneinander gebohrt und dann durch hin- und herbewegen des Bohrers ein Langloch „ausgerieben“. Das ist natürlich nicht die sauberste Methode. Mit der Oberfräse hätte man das viel schöner hinbekommen. Allerdings wollte ich eine Methode, die später die Schüler/innen selbst anwenden können (und die Oberfräse dürfen sie nicht benutzen). Andererseits sind diese Löcher später von den Schraubenköpfen verdeckt und befinden sich außerdem unter dem Tisch, so dass die etwas rohe Optik nicht weiter stört. Wie dieser Arbeitsschritt genau abläuft, kann man sich im Video anschauen.

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Nun konnte ich die Streben mit den Brettern zu einer Tischplatte verbinden.

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Untergestell

Anschließend probierte ich aus, welcher Winkel und welche Tischhöhe sinnvoll sind. 58° Neigung der Beine und eine Höhe von ca. 72 cm passten.

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Ich sägte die Tischbeine auf die passende Länge und die Enden auf 58°. Nun klemmte ich die beiden Beine einer Seite mit Zwingen fest und sicherte sie außerdem mit einem Querholz, so dass sie einigermaßen stabil an der Tischplatte befestigt waren und ich bohren und schrauben konnte. Wenn man alleine arbeitet, braucht man an dieser Stelle die Einhandzwingen oder eine andere kreative Lösung, wenn man Hilfe hat, kann man hier auch normale Schraubzwingen verwenden, während die zweite Person das Tischbein festhält.

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Nun bohrte ich durch die Strebe und das Tischbein mit einem 8 mm Bohrer durch und konnte beide dann mit jeweils zwei Schlossschrauben verbinden. Hier stören die Schraubenenden und die Klemmmuttern noch nicht, weil sich diese Verbindung direkt unter der Tischplatte befindet, wo man mit den Beinen nicht hin kommt. Man kann aber auch hier schon Einschlagmuttern oder Hutmuttern verwenden, um keine scharfkantigen überstehenden Schrauben zu haben.

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Als nächstes montierte ich die Trägerhölzer für die Bänke. Eine Bank besteht aus jeweils zwei Brettern. Die Querträger sind an den Tischbeinen mit Schlossschrauben befestigt. An ihren Enden haben sie – wie die Streben der Tischplatte – einen 60°-Winkel. Um sie einfacher befestigen zu können, sägte ich zwei Abfallstücke auf die passende Länge, stellte sie aufrecht hin und legte den Querträger darauf bis er festgeschraubt war.

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Nachdem die Querträger montiert waren, konnte ich die behelfsmäßigen Latten an den Enden der Tischbeine entfernen, da jedes Tischbeinset nun stabil war.

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Verstrebung

Nun musste der Tisch noch etwas mehr Längsstabilität bekommen. Dazu laufen zwei schräge Streben von der mittleren Strebe der Tischplatte zu den Querträgern an den Tischbeinen. Um das Maß und die Winkel zu ermitteln, sägte ich diese Streben grob auf Länge und übetrug die Maße und Winkel dann auf die Hölzer.

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Nach etwas Einpassarbeit passten diese Streben (Details im Video). Sie wurden mit Senkkopfschrauben durch die Querträger und durch die mittlere Tischplattenstrebe festgeschraubt.

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Bänke

Für die Bänke fixierte ich die Bretter zunächst provisorisch an den Trägern, um die Position der Schraubenlöcher anzuzeichnen. Danach schraubte ich alle vier Bretter nacheinander an.

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Halterung für einen Sonnenschirm

In der Mitte des Tischs soll ein Sonnenschirm eingesteckt werden können. Dazu musste ich ein Loch in die Tischplatte bohren. Unter dem Tisch montierte ich noch eine Längsstrebe, damit die Stange des Schirms an einer zweiten Stelle fixiert ist und nicht kippen kann.

Das Loch hat einen Durchmesser von 45 mm. In die Strebe bohrte ich dieses Loch mit der Standbohrmaschine.

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Auf dem Tisch ging das nicht, daher klemmte ich die Strebe auf der Tischplatte fest und benutzte das vorhandene Loch als Führung. Hier muss man allerdings ziemlich aufpassen, den Akkuschrauber kräftig festhalten und gefühlvoll bohren. Ein 45 mm-Forstnerbohrer in einem kräftigen Akkuschrauber ist nicht ganz leicht zu beherrschen. Das sollte also nur jemand machen, der entsprechend Kraft und Erfahrung hat.

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Um die untere Strebe auszurichten, legte ich sie lose auf und steckte einen Pfosten in die beiden Löcher. Dann richtete ich die untere Strebe mit dem Schreinerwinkel so aus, dass der Pfosten im rechten Winkel zur Tischplatte steht. Diese Position fixierte ich zunächst mit zwei Zwingen. Dann stellte ich den Tisch kurz auf und schraubte die Strebe von unten fest.

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Abschlussarbeiten

Nun konnte ich die Bretter der Tischplatte mit der Tauchsäge und der Führrungsschiene sauber und rechtwinklig absägen. Anschließend feilte ich noch an alle Kanten eine Fase, damit man sich nirgends verletzt.

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Fertig

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Geplante Änderungen

Nachdem ich den Bau nun durchgeführt habe, werde ich bei den nächsten Tischen an diesen Punkte Änderungen vornehmen:

  • Ich werde dickere Bretter benutzen, in meinem Sägewerk gibt es noch 135 x 36 mm. Diese werde ich für die restlichen Tische benutzen, denn die Bänke biegen sich mit den 27 mm-Brettern leicht durch, wenn ich mich drauf setze.
  • hhw-picknicktisch-blog_039Anstatt der Sechskantschrauben hätte ich gerne Tellerkopfschrauben benutzt, weil es die auch in Stärke 5 oder 6 mm gibt und weil sie einfacher zu verarbeiten sind. Ich habe sie dieses Mal aber nicht in der richtigen Länge bekommen.
  • Anstatt der Klemmmuttern werde ich entweder Hutmuttern oder Einschlagmuttern benutzen, damit in Beinhöhe beim Sitzen keine Schrauben aus den Beinen des Tischs hervorstehen, an denen man sich verletzen kann (ich habe nachträglich diesen Überstand abgesägt und rund gefeilt, diese Arbeit möchte ich mir aber bei den anderen Tischen sparen).

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Videos

9 Kommentare

  1. Bemerkenswert! – Danke fürs Teilen.

    Wie hoch ist denn geschätzt der zeitliche Aufwand (reine Ausführungszeit mit vorhandenen Materialien, ohne Planung, Besorgungen, pp.)?

  2. Hallo Andreas,

    Mensch, so ein tolles Projekt hätte es mal schon zu meiner Schulzeit geben sollen! Dann hätte ich vielleicht schon früher mit dem Holzwerken angefangen. Auch der Unterrichtsraum sieht sehr beeindruckend aus!

    Viele Grüße
    Ralf

    1. Danke. Ja, die Idee ist tatsächlich, dass Schüler/innen frühzeitig merken, dass man mit seinen eigenen Händen Dinge herstellen kann, die im Alltag nützlich sind. Unser Werkraum ist wirklich schön. Es ist vor allem toll, dass wir als Gymnasium so einen im Gebäude haben.

      Grüße,
      Andreas

  3. Wow! Super Projekt und tolle, ausführliche Anleitung! :) Hättest du vielleicht Lust damit bei unserem Wettbewerb „Mach mal Sägespäne“ mitzumachen? Dabei hast du die Chance unter anderem ein Wetterschutz-System für Holz von Consolan oder eines von drei Multifunktionswerkzeugen von Meister zu gewinnen! Mehr Informationen unter: https://www.mach-mal.de/wettbewerb-projekte/17/wettbewerb-mach-mal-saegespaene
    Liebe Grüße, Kathreen von „Mach mal“

  4. Super! Ich wuenschte wir haetten so was cooles mal in der Schule gemacht. Bei uns gab es immer mehr die – sagen wir mal „langweiligen“ – Sachen. Aber das hier, das ist spitze. Kann man sich vor allem spaeter fuer den eigenen Garten nachbauen ;)

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